Unter der neuen Rubrik «Grüezi mitenand, ich bin…» werden Menschen interviewt, die bei Zeitgut Zürich Höngg-Wipkingen mit dabei sind und Lust haben sich vorzustellen.

Grüezi mitenand, ich bin…

Interview mit Celia aus Affoltern Zürich (via Mail)

Celia, du bist seit letztem Oktober bei Zeitgut mit dabei. Wie bist du auf unsere Organisation gestossen? 

Ich war auf der Suche nach einer Freiwilligenarbeit. Ich muss dazu sagen, ich bin Sozialhilfebezieherin und eigentlich auf der Suche nach Arbeit. Nicht Aufgeben ist meine Devise – auch wenn es nicht einfach ist. Ich bin stumm, kann nicht reden – da ist es nicht einfach eine Freiwilligenarbeit – auch Arbeit – zu finden…. Ich bin gläubige Christin und der Glaube hat mir geholfen bzw. hilft mir durchzuhalten beim Suchen. Es war nicht einfach, auch mit meinem Handicap. Dann bin ich zufällig im Internet auf Zeitgut gestossen. Allerdings fragte ich mich: soll ich mich melden? Was werden Sie zu meinem Handicap sagen? Ich hatte leider schon andere Erfahrungen machen müssen… und das hat weh getan.
Schlussendlich überwand ich mich und schrieb. Zu meinem Erstaunen bekam ich eine freundliche Antwort. Das Vorstellungsgespräch verlief positiv und nach meinen Vorstellungen: ich wurde als Mensch und mit meinem Können akzeptiert. Herzlichen Dank dafür.

Was bietest du an im Kreis 10, für was darf man dich anfragen?

Fast alles zum Nähen, Flicken, Kürzen, Zusammennähen, usw. – was mit einer normalen Haushaltnähmaschine machbar ist. Ausserdem vegan kochen, spazieren gehen, einkaufen, festlich dekorieren.

Im persönlichen Gespräch erwähntest du deine Leidenschaft fürs Nähen und für Veganes Kochen. Erzähl ein bisschen mehr dazu.

Ich Nähe von Herzen gerne. Als Hobbynäherin nehme ich mir Zeit und das ist gut so. Ich habe schon oft Komplimente erhalten. Zeit habe ich auch genug. Für mich habe ich Hosen, Blusen, Jacke, Schals, Handtaschen und vieles mehr genäht. Es macht mir Spass. Gelernt habe ich das in der Schule/Handarbeitsschule in Zürich. Das hat mich seither nicht mehr losgelassen. Es ist eine Leidengeschaft geworden und geblieben.
Ich habe auch schon vor Jahren fast das ganze „Jahressortiment“ Kleider für ein dreijähriges Kind genäht – auch wenn das schon eine Zeit her ist… für jemanden, der selber knapp bei Kasse war. Auch beim Hochzeitskleidnähen war ich schon dabei…. Bei mir gilt: Qualität kommt vor Quantität. Allerdings – auch ich bin nicht perfekt!

Ich koche auch gerne und mit Leidenschaft (vegan), auch das habe ich in der Schule gelernt.
Ich habe vor vielen Jahren an einem Kochwettbewerb mitgemacht und gewonnen.

Ich bin dankbar um das System in der Schweiz. Es gibt den Menschen im Leben mit, was man als Grundstock braucht.

Taschen «by Celia»

Könntest du dir vorstellen diese beiden Themen bei Zeitgut einzubringen und wenn ja, hast du Ideen, wie das machbar wäre?

Endlich sind wir im Zeitalter des Recyclings angelangt – das gab es in meiner Kindheit schon! Als ich Kind war, wurde noch viel geflickt und selber genäht. Die Wegwerfgesellschaft war damals nicht dermassen vorhanden. Ich finde auch alte Kleidungsstücke können verschönert und geflickt werden und weitergetragen werden. Nachhaltig sein ist etwas Gutes. Oder aus einer alten „unbrauchbaren“ Hose, kann eine schöne Handtasche genäht werden als Beispiel. Auch könnte ich z.B. Hosen, Ärmel, Kleider, Röcke etc. kürzen und Anpassungen machen. Auch eine selbstgenähte Handtasche, in der Schweiz hergestellt, ist etwas Schönes. Vielleicht können eigene Vorstellungen des Designs eingebracht werden?!
Zum Veganen Kochen: Vielleicht will man mal was anderes Essen: z. B. im Familienkreis. Da könnte ich vor Ort kochen.

Wie emfindest du persönlich die Nachbarschaft in der Stadt Zürich? Was ist positiv und was könnte noch besser werden für aus deiner Sicht ein «gelungenes Miteinander»?

Zum Positiven: Ich empfinde diese als gut. Manchmal lässt das Allein sein „grüssen“. Ich finde es angenehm, dass ich in Ruhe gelassen werde, wenn ich es wünsche und umgekehrt. Ich finde: Das Ungezwungene ist gut. Ich kann mich ja melden, wenn ich Etwas möchte. Und solche Organisationen wie Zeitgut können mir aufzeigen, was es für Möglichkeiten gibt.

Was man verbessern könnnte, meiner Meinung nach: Das selber „Aktiv“ werden – sich melden. Wenn ich zum Beispiel etwas möchte, nachfragen und nicht den Kopf in den Sand stecken – nach dem Motto es geht sowieso nicht. Vielleicht aber kann es sein, dass etwas im Moment nicht möglich ist, aber eventuell kommt beim „mitenand“ eine ungeahnte „Lösung“ auf. Das habe ich schon erlebt. Das ist ein schönes Erlebnis und macht Freude.

Dieses Jahr, das sehr speziell war, neigt sich dem Ende zu. Hast du Wünsche für das Neue Jahr und wenn ja, welche?

Es war wirklich ein spezielles Jahr. Dass ich keine Möglichkeiten hatte an Feste und Veranstaltungen zu gehen, hat mir unsagbar gefehlt. Jedoch das Wichtigste: Ich suche Arbeit im KV Bereich. Was ich mir auch wünsche ist, dass etwas mehr an Jesus Christus/Gott geglaubt wird. Denn er hat trotz widrigster Umstände durchgehalten.

Zeitgut Zürich Höngg-Wipkingen